Danke für euren Hass

Danke für euren Hass

Selber Schuld wenn man mit Schwarzen bumst.“, schrieb mir ein Kommentator auf meiner Homepage, der sich Hidolf Atler nennt. Er (oder vielleicht auch sie) verfasste diese Zeile als Reaktion auf meinen Text zum Wahlergebnis der AfD. Als einer der ersten erschien er unter dem Artikel, ich habe ihn gelöscht und abgehakt. Einzelfall. Und mich somit entgegen meiner eigenen Worte erneut in die Defensive begeben. Weggucken. Nur die guten, mutmachenden Kommentare sehen und über den Hass hinweglesen.

Doch diese Defensive hielt nur einen Tag, bis zur nächsten Nacht, als ER mir schrieb: der Mann ohne Namen, dessen IP-Adresse mir verriet, dass er in Leipzig sitzt. Und wäre das nicht ein Stück weit Realsatire gewesen, hätte ich wahrscheinlich Angst bekommen, denn er verlinkte auf allerlei rassistische Homepages und versicherte mir, ich hätte Rassenschande begangen. Rassenschande. Wo haben wir dieses Wort das letzte Mal gehört?

Ich finde, es ist ein weiter gedanklicher Weg von „mit Schwarzen bumsen“ zu „Rassenschande begehen“. Doch auf meiner Homepage hat er nur einen Tag gedauert.

Sowieso ist die Kommentarspalte ein ziemlich genaues Abbild unserer Gesellschaft geworden: 87% tolerante Menschen, ca. 10% „gemeines AfD Bashing wir sind gar nicht alles Nazis“ und 3% krasse Nazi-Sprache, die am meisten Aufsehen erregte.

Und ich kann diesen 13% anonymen Kommentierern nur danken. Danke!

Danke für euren Hass und eure Selbstentblößung, danke, dass ihr allen gezeigt habt, wie wahr meine Worte sind, wie real der Hass, wie real meine Angst, wie real die Omnipräsenz rassistischer Kommentare, seien sie noch so vereinzelt.

Also holte ich den einst gelöschten Kommentar aus dem virtuellen Papierkorb, schaltete auch die Rassenschande frei und überließ euch eurem Hass auf mich. Einen Menschen, den ihr nicht kennt. Es wäre gelogen zu sagen, mir ging es gut dabei. Und ich möchte, dass ihr das wisst. Ich möchte, dass ihr Menschen, die ihr eure Befriedigung daraus zieht, andere zu beschimpfen und zu bedrohen, herabzusetzen und verbal anzugreifen, wisst, dass ihr, die ihr denkt, gar keine „Nazis“ zu sein, denen den Weg bereitet, die welche sind, indem ihr sie entschuldigt und verteidigt. Dass ihr den Hass unterstützt und befördert. Das gerade ihr es seid, vor denen es Angst zu haben gilt. Denn krasse Nazis, dieses Gedankengut, gab es schon immer, gibt es und wird es immer geben, es ist unausrottbar (obwohl ich es mir natürlich anders wünschen würde). Aber erst, wenn es stetig mehr Menschen gibt, die es entschuldigen, gewähren lassen und gutheißen, erst, wenn es Wähler gibt, die solche Aussagen mit ihrem Kreuz unterstützen, erst dann hat dieses Gedankengut eine Plattform, die groß genug ist, um nicht nur vereinzelt gefährlich zu werden. Und die ist, das könnt ihr abstreiten wie ihr wollt, die AfD. Und mir zu erklären ihr seid Mitglied, obwohl ihr schwul seid, oder Ausländer, oder im Sommer auch ganz schnell braun, zeigt nicht die Toleranz der AfD, sondern die Perfidität ihrer Methoden.

Und das letzte Wort hat Viktor Klemperer: „Und was man immer unternimmt, vom allerersten Augenblick an, ist Abwehrmaßnahme in dem einen aufgezwungenen Krieg (…) und wir, wir friedliebenden Nazis, tun nichts anderes, als was wir vorher getan haben, wir verteidigen uns.“ (Aus „LTI“).

22 Gedanken zu “Danke für euren Hass

  1. Das Furchtbare ist, dass „die da oben“ den deutlichen Warnschuss dieser Bundestagswahl nicht gehört bzw. nicht verstanden haben/nicht verstehen wollten, und ganz offensichtlich so weiter machen wie bisher. Damit wird den Hassern, den Pöblern, den Gifspritzern, jenen, die nicht nur im Sommer ganz schnell braun werden, sämtliche Tore geöffnet…

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  2. Ich schicke dir von ganzem Herzen die besten Wünsche. Lass dich, lasst euch, nicht unterkriegen. Fast möchte man Mitleid haben mit den Menschen, die nur Hass in sich tragen, die ihren Hass brauchen, um ihr Leben zu rechtfertigen, aber nur fast

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  3. @freidenkerin, nein es sind nicht „die da oben“, es sind nazis, faschisten die sowas tuen und für deren handeln gibt es keine erklärung und auch nicht „die da oben“. wer braune gesinnung in sich trägt,warum auch immer ist selber schuld!
    @Sophie: glauben sie mir, die mehrheit deutschlands denkt anders, ist aber zu leise, dass nur die braunen stimmen leider vernommen werden.

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  4. @freidenkerin , mit dem hinweis auf „die da oben“ machen sie es sich zu einfach. wer braune gesinnung in sich trägt, wer nazis oder faschist ist, der ist selber schuld und soll bitte aufhören von .irgendwelchen „schlimmen“ umständen zu reden.
    @Sophie : sowas in deutschland 2017 lesen zu müssen ist fruchbar, gerade in einer so schönen stadt wie leipzig. die überwiegende mehrheit der deutschen denke anders schweigt aber leider zu oft, die faschisten brüllen, taten sie schon immer.

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  5. Ich habe vor einiger Zeit ein altes Kinderbuch ausgegraben, mit dem mir in den 1970er-Jahren das Alphabet vermittelt wurde. Da ist tatsächlich zu dem Buchstaben „N“ ein Mensch mit dunkler Hautfarbe abgebildet:

    http://www.mein-html.de/bilderwoerterbuch.html

    Nun sollte man denken, die Gesellschaft hätte sich seitdem weiterentwickelt. Man sollte denken, alle Menschen hätten erkannt, daß Ausgrenzung nur Leid bringt, daß wir auf diesem Planeten, in diesem Kontinent, in diesem Staat, in den Ländern, Kreisen und Gemeinden alle Menschen sind und miteinander zusammenleben wollen.

    Statt dessen aber gibt es diesen Hass. Gab es den in den 70ern auch schon so? In meinem Kinderbuch steht zwar das böse N-Wort, und die Formulierungen sind ausgrenzend, aber es ist kein Hass. Woher kommt der Hass? Was steckt dahinter?

    Wie kann es sein, daß „Rassenschande“ für manche Menschen wieder als eine sinnvolle Vokabel erscheint? Wie kann es sein, daß der Begriff „Schande“ überhaupt im Zusammenhang mit biologischen Kriterien gedacht werden kann?

    Mich erschreckt auch, wie von der Justiz mit Hassverbrechen umgegangen wird, welche Milde und Nachsicht Verbrecher vor Gericht erfahren:

    http://www.radiodresden.de/nachrichten/lokalnachrichten/rambo-rentner-erstreitet-milderes-urteil-1329367/

    Aus diesem Grund halte ich Sprüche wie „Gegen besorgte Bürger“ (Bild oben am Artikelanfang) für grundverkehrt. Bei diesem Zuständen in unserer Gesellschaft kann man doch nicht unbesorgt bleiben! Ich bin Bürger dieser Gesellschaft, und ich bin sehr besorgt über das, was sich derzeit entwickelt! Und ich bin leider auch derzeit ziemlich ratlos darüber.

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  6. Ich kann dem guten Herrn nur zustimmen. Du hast Rassenschande begangen. Mehr noch, du bist eine Rassenschande und verseuchst mit deiner Brut den weissen Genpool. Der Wandel kommt.. Geniesse die Privilegien und den Schutz, den dir das System für deinen Verrat noch gewährt. Es währt nicht ewig!

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    1. Ui, feinstes Nazisprech. Wie widerlich und abartig bist du eigentlich? Deinen Kack-Genpool könnte man nicht mal mit 1000 facher Vermischung aufwerten. Drecksnazi

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    2. Hallo Martin Gerber, was ist denn ein „weißer Genpool“?

      Sollten Nazis wie Sie nicht endlich was für die eigene Bildung tun? Sich mal mit der genetischen Entwicklung der Menschen in Europa oder von mir aus nur in Deutschland befassen? Lassen Sie doch mal Ihre eigenen Gene testen (siehe unten) und schauen Sie, was sich da so tummelt. Reinrassig? Dann lesen Sie mal das hier (ist aber sicher nur Lügenpresse): http://www.spektrum.de/news/die-bunte-genetische-herkunft-der-europaeer/1219178

      Vielleicht sind Sie gar Jude? Die Schweizer Firma Igenea hat jedenfalls ermittelt, dass jeder 10. Deutsche jüdische Gene hat. Ist das nicht furchtbar für Euch Kleingeister? Aber wenn Sie’s genau wissen wollen, einfach mal bei den Schweizern eine Analyse machen lassen: https://www.igenea.com/de/germanen

      Und in der Tat: mit solchen Beiträgen wie Ihren geben sich die Rechten tatsächlich der Lächerlichkeit preis.

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    3. Interessanter Gedankengang, Herr Gerber.
      Es gibt also einen weißen Genpool.
      Und der zeichnet sich wodurch genau aus?
      Also abgesehen von der weißen Hautfarbe natürlich.
      Ihnen ist sicherlich bekannt, dass ein 1,90 Meter großer weißer Deutscher mit athletischem Körperbau, vollem Haar und einem IQ von 120 deutlich mehr genetische Übereinstimmung mit einem 1,90 Meter großen Schwarzafrikaner mit athletischem Körperbau, vollem Haar und einem IQ von 120 besitzt, als mit einem 1,80 Meter großen Deutschen mit Glatze, Plautze und Hakenkreuz-Tattoo.
      Wie genau findet da die ‚genetische Verseuchung‘ statt?
      Und was glauben Sie, welche Gensequenzen, den Genpool schwächen?
      Genetische Krankheiten… mangelnde Intelligenz… körperliche Schwäche… die Hautfarbe?
      Da rufen Sie sich mal ins Gedächtnis, dass auch in ihrem ‚Genpool‘ eine dunkle Hautfarbe verborgen ist… denn auch wenn heute darüber streitet, wo eigentlich der moderne Menschen entstanden ist. Ziemlich sicher ist, dass er eine dunkle Hautfarbe hatte.

      Und welche Privilegien bietet uns ‚das System‘ eigentlich genau, die sie in absehbarer Zeit ändern wollen?
      Meinen Sie den Schutz, den das Grundgesetz bietet?

      Kleiner Hinweis noch für Sie, Herr Gerber:
      Die Qualität eines Genpool schrumpft zunehmend, wenn keine frischen Erbinformationen von außen mehr hinzukommen. Sie kennen das sicherlich als Folge von Inzucht. Denken Sie mal drüber nach 😉

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  7. Zu feige, um meine Kommentare aufzuschalten? Überraschend, sind meine Kommentare doch ein strategischer Sieg für dich, wie du sagst.

    Und wenn du meine Kommentare nicht freischaltest, wie viele weitere Kommentare schaltest du auch nicht frei?

    Na los, publiziere meine Kommentare! Sie können dir ja nicht schaden, sondern nur nützen, und geben die „Rechten“ der Lächerlichkeit preis, nicht wahr..??

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    1. Herr Gerber, Ihre nationalsozialistischen Absonderungen sind längst auf „öffentlich“ geschaltet, wie Sie den Reaktionen anderer Leser unschwer entnehmen können.

      Übrigens scheint Frau Dr. Weidel (MdB / AfD) Ihre Begeisterung für irgendwelche weißen Genpools nicht zu teilen.
      Mit ihrer in Sri Lanka gebürtigen Lebenspartnerin zieht sie zwei Kinder groß, denen wohl später schwer beizubringen sein wird, Menschen gering zu schâtzen, welche die gleiche Hautfarbe wie eine ihrer beiden Adoptiv-Mütter haben.

      Dass die Mehrheit der AfD-Wähler da anders denkt, und die Familie von Frau Sumburane herabwürdigen, so wie Sie dies auf unflätigste Weise hier tun, ist schlichtweg eines Menschen im 21. Jahrhundert unwürdig.

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  8. Weiter so! Du hast vollkommen Recht (pnn-Interview), als Nichtbetroffener kriegt man wenig bis garnichts mit (ist für mich in Potsdam so).
    Ich habe meine Lieblingsstadt auch für toleranter und weniger braun gehalten.
    Mich macht es wirklich traurig, dass ihr auch eure Kinder nicht davor schützen könnt.

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  9. Ich bin ja aus Leipzig und habe den unterschwelligen Rassismus schon in den 1980ern bemerkt. Unterschwellig, weil die Knute der Diktatur noch drauf war, die den offen Rassismus begrenzte, äußerlich. Diese Gedanken allerdings gab es. Nach dem Umbruch war es nicht so verwunderlich, dass diese Art zu denken virulent wurde. Und wie man oben sieht (also bei dem Menschen, der sich Martin Gerber nennt, falls es ein Mensch ist und kein Programm) ist der respektvolle mitmenschliche Umgang ganz verloren gegangen, zumindest in Teilen der Bevölkerung. Formulierungen wie „Rassenschande“ mit beigefügter Drohung sind ja hoffentlich justiziabel. Schaun mer mal.
    Ich stehe jedenfalls an Deiner Seite, liebe Sophie, das weißt Du ja.

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  10. Was erwartet man denn in diesem Land.
    Selbst legal in Deutschland lebende Ausländer werden vom Gesetzgeber diskriminiert. Vor Jahren wurde der elektronische Aufenthaltstitel eingeführt, der zwar so aussieht wie ein Personalausweis, aber die grundlegendste Funktion – die Identifikation vor Ort – ist damit nicht möglich.
    So können damit via PostIdent keine Konten eröffnet, Vollmachten erteilt oder auch nur simple Prepaid-Karten aktiviert werden. Damit werden legal in Deutschland lebende Ausländer von weiten Bereichen ausgeschlossen und in die Illegalität getrieben.
    Die Angelegenheit habe ich bei der Antidiskriminierungsstelle des Landes Brandenburg vorgebracht. Eine zeitnahe Lösung scheint aufgrund des Geldwäschegesetzes nicht möglich zu sein. Daher habe ich die Petition 74091 „Ausweise – Klassifizierung eines elektronischen Aufenthaltstitels als Identifikationsdokument“ im Portal des Petitionsausschusses vom deutschen Bundestag gestartet.

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  11. Liebe Sophie, danke, dass du diese Erfahrungen mit uns teilst. Danke, dass du dich nicht unterkriegen lässt, so schwer das sicher auch ist. Und es mag ein Gemeinplatz sein, aber dennoch: Wehret den Anfängen. Oder um es mit Kästner zu sagen: „Die Ereignisse von 1933 bis 1945 hätten spätestens 1928 bekämpft werden müssen, später war es zu spät. Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird. Man muß den rollenden Schneeball zertreten; die Lawine hält keiner mehr auf.“

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  12. Was für ein widerliches kleines Würstchen, dieser „Martin Gerber“! Menschlich in jeglicher Hinsicht unterste Kategorie. Er hat das offensichtlich nötig, um sich besser zu fühlen.

    Liebe Sophie, auch wenn es noch so schwer ist, mich selbst hat es eine schlaflose Nacht gekostet: Versuche so kalt, überlegt und sachlich wie möglich damit umzugehen, zeig den Kerl an. Denn dies ist selbst unter allen anderen ekelhaften Kommentaren (auch auf Deiner Facebookseite erwähnt) ein Extremfall. Lass ihn nicht gewinnen, indem Ihr Euch durch die Worte dieses Idioten zu sehr verletzen lasst und nicht wisst, wohin mit Eurer Empörung und Eurer Wut. Er hat sich in seiner Kläglichkeit und gleichzeitiger, aus Ohnmacht resultierender Hybris nur selbst entlarvt. Du machst es schon gut, indem Du es öffentlich machst. Ich wünsche Dir und Deinem Mann viel Kraft und innere Ruhe. Wendet Euch möglichst bald wieder Erfreulichem zu.

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  13. Liebe Sophie,
    Danke für Deinen Mut! Lass Dich nicht unterkriegen. Wir müssen alle daran arbeiten, dass dieses Land nicht wieder von der braunen Soße beherrscht wird. Und laut und deutlich unsere Meinung äußern und unsere Erfahrungen teilen. Ihr seid nicht alleine, wir (und das ist immer noch die Mehrheit, dafür müssen wir uns immer wieder einsetzen) stehen hinter Euch. Alles Gute!

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